Die Hoffnung kommt vor der Einsicht. Die Einsicht vor dem Ende.
Jedes Verliebtsein kennt ein Funke Hoffnung. Wird die Liebe, die man gibt aber nicht erwiedert, ist es eine Hoffnung zum verzweifeln. Eine Hoffnung die wehtut und einem in bestimmten Momenten den letzten Verstand raubt, weil sie einem immer wieder den Glauben schenkt, dass sich das Ganze so wendet, dass man am Ende selbst glücklich wird, während man die Gegenwart völlig aus den Augen verliert.
Diese Hoffnung verhilft einem dazu, die Sache von einer 'glücklichen Seite aus zu betrachten. Das ist der Moment, indem man sagen kann: "Hoffnung ist definitiv etwas Tolles". Doch sobald uns dieser Hoffnungsgedanke für eine kurze Weile verlässt, geht es uns grauenvoller und schlimmer als zuvor. Und desto öfter man die Hoffnung schon verloren hat; verliert man sie dann erneut, so wirkt die Gesamtsituation erdrückender als zuvor, die zweifelnden Gedanken bohren sich noch tiefer in einen hinein und man beginnt schon wieder ein kleines bisschen mehr über die vergangenen Tränen und Enttäuschungen nachzudenken. Die Enttäuschungen, die diese Hoffnung brachte und immer wieder bringen wird. Bis man sie endliche vergessen kann, oder sie einen doch zum Guten führt.
Diese Hoffnung ist ein Kampf - Den man entweder gewinnen oder verlieren kann. Man kann ihn beenden und wieder neu beginnen lassen. Aber es ist ein Kampf der uns dazu bringen kann, über unsere Grenzen und Möglichkeiten zu schreiten, um uns manchmal einfach zu zeigen, dass alles was man so sehr hofft und wünscht, nicht in Erfüllung gehen kann. An dieser Stelle verstehen wir dann ganz genau, WANN wir über unsere Grenzen gegangen sind. Und je mehr Schritte wir hinausgeschritten sind, desto mehr Schritte müssen wir wieder zurückgehen. Wir müssen einsehen. Schritte zurückzugehen ist schwer. Einsehen ist meist ohne eine Träne oder einen beißenden und zurückbleibenden Schmerz kaum zuschaffen.
Wenn wir diesen Kampf wirklich verloren haben, wenn wir die vielen Schritte langsam zurückgegangen sind, alles eingesehen haben, was wir uns in dieser Zeit eingebildet haben, dann ist es meist ein leichter und doch schmerzhafter Gedanke, der uns hinterlassen wird. Einen Schmerz, denn man nach Zeit immer weiter in eine Schublade schieben wird. Eine Schublade in unserem Kopf, die man daraufhin immer seltener öffnet, um sie dann irgendwann ganz abzuschließen.
Vergessen kann man diese Schublade jedoch nicht. Denn sie ist schon lange ein Teil von uns. Ein Teil, der uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Man kann sie nicht einfach herausreißen. Und wenn uns diese eine Liebe 'von damals', dessen Hoffnung uns diesen harten, schmerzhaften Kampf herbeibrachte wieder begegnet, - so ist es möglich, dass man die Schublade irgendwann wieder öffnet. Man wird sie öffnen und man wird ihn sich anschauen. Man wird lächeln und vielleicht bemerken, wie sinnlos uns alles vorkommt, was wir getan haben. Doch selten ist es, dass man ihn noch einmal herausnehmen wird. Es ist eine Erfahrung, die nun darin liegen wird. Ein Erlebnis, dass man nicht vergessen konnte. Etwas, dass man öffnen kann, um darüber zu lächeln. Und etwas, dass man schließen kann, um es wieder für eine bestimmte Zeit zu vergessen. Wenn auch nicht für immer.
Wenn wir diesen Kampf aber gewinnen sollten, bemerken wir vielleicht einmal, dass wir für diese eine Liebe einen zu harten Weg gegangen sind. Vielleicht stellen wir irgendwann einmal fest, dass die Wünsche und Hoffnungen, an denen man so lange festgehalten hat, auch irgendwann zu einem Überfluss von Wünschen und Hoffnungen geworden sind. Vielleicht denken wir irgendwann darüber nach, wie alles gekommen wäre, wenn wir nicht genau dieses eine Ziel verfolgt und erreicht hätten. Wie es wäre, wenn wir diesen ganzen, schweren Teil dieses Lebens noch einmal leben könnten. Ob man sich in diesem Moment nichts Sehnlicheres wünschen konnte, wie mit dieser einen Person zusammen zu sein, mit der man heute ist. Vielleicht wäre es möglich zu begreifen, dass man einfach ein kleines bisschen zu viel für diese Person getan hätte oder auch getan hat. – In all der Zeit, in der man mit ihr zusammen war.
Bevor wir uns einer Zukunft zuwenden, sollten wir erst einmal über eine Vergangenheit hinweg kommen.
Und so oft müssen wir loslassen,
was wir am meisten lieben.
Aber wir dürfen uns selbst nicht vergessen.
